Große Holzbauausstellung in der Pinakothek der Moderne

mikado | 15.11.2011

 

 
Das Architekturmuseum in der Münchener Pinakothek der Moderne zeigt seit 10. November 2011 eine große Ausstellung über den heutigen Holzbau - fast schon eine Rehabilitierung des seit Beginn der Moderne eher verpönten Baustoffs. Professor Winfried Nerdinger, Leiter des Architekturmuseums, erinnerte in seiner Eröffnungsrede denn auch daran, dass die avantgardistischen Architekten des frühen 20. Jahrhunderts im Holz das Baumaterial des untergegangenen Feudalismus sahen. Deshalb sprachen sie ihm die Fähigkeit, einen Beitrag zur Entwicklung einer neuen Baukunst für eine neue demokratische Gesellschaft zu leisten, grundsätzlich ab.

So hat die klassische Moderne keine Holzbauwerke hervorgebracht. Beton, Stahl und Glas schienen dem neuen Zeitalter angemessener zu sein. Richtig symbolträchtig ist da die Tatsache, dass die Stahlbetonkonstruktion des vor neun Jahren eröffneten Museumsgebäudes seit einigen Wochen bedenkliche Risse zeigt, weshalb momentan ein Teil leergeräumt und eingerüstet ist.

Die irrationale Abneigung gegen Holz vererbten Architekten und Stadtplaner Generation für Generation weiter - bis in die Gegenwart. Doch die Realität widerspricht dem schon lange. "Heute wird der ideologische Ballast endlich über Bord geworfen", betonte Nerdinger. Die alten Vorurteile sind durch die technischen Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit widerlegt. Holz steht heute geradezu für zukunftsorientiertes Bauen. Nachhaltig oder nicht-nachhaltig? Das ist künftig die entscheidende Frage, und hier erweist sich Holz als überlegenes Baumaterial.

Die Ausstellung beginnt somit auch mit dem Material selbst: Eine große Baumwurzel überrascht die Besucher am Eingang. Sie gehört einem mächtigen Fichtenstamm, der in der Mitte des langen Raums liegt und sehr anschaulich auf den natürlichen Ursprung des Baustoffs und auf die gesamte Wertschöpfungskette hinweist. Die Baumspitze am anderen Ende zeigt auf eine große Wand aus verschiedenen Holzprodukten und Holzwerkstoffen - eine grandiose Inszenierung des Themas. Die Seitenwände sind anfangs mit allgemeinen Informationen über das ökologische und technische Potenzial des Baumaterials sowie moderne Planungs- und Fertigungsmethoden bestückt. Alles schön kurz und übersichtlich, denn schon nach wenigen Metern beginnt die umfangreiche Präsentation des heutigen Holzbaus anhand ausgewählter Bauwerke.

Auf das Thema „Einfamilienhaus" verzichteten die Ausstellungsmacher dabei bewusst, denn hier erfreut sich Holz schon seit langem zunehmender Beliebtheit. Stattdessen zeigen sie 52 internationale „Leuchttürme": Großprojekte von überragender konstruktiver und gestalterischer Qualität - vom Expo-Dach in Hannover bis zum zwanziggeschossigen LifeCycle-Tower. Architekturstudenten der TU München bauten sie in Tausenden von Arbeitsstunden penibel als Modelle im Maßstab 1:33. So erhalten Laien ohne geschultes räumliches Vorstellungsvermögen eine plastische Anschauung, aber auch der Fachmann kommt aus dem Staunen kaum mehr raus.

Damit ist auch schon die größte Leistung der Ausstellung genannt: Sie spricht Fachleute und Laien gleichermaßen an. Besser: Sie begeistert beide gleichermaßen. Sie ist darüber hinaus ein gekonnter Spagat zwischen sinnlicher Inszenierung und wissenschaftlich-technischer Information - eine publikumswirksame Schau, die es in dieser Qualität und Quantität bisher noch nicht gab. Sie dürfte eine große Breitenwirkung erzielen, zumal die Pinakothek der Moderne zu den meistbesuchten Museen in Deutschland gehört. Kurz: Die Ausstellung ist beste Werbung und ein wahrer Glücksfall für den Holzbau!

Ermöglicht hat die Ausstellung, den 224 Seiten starken Katalog und das begleitende Veranstaltungsprogramm die engagierte Arbeit des Fachgebiets Holzbau der TU München und des Architekturmuseums sowie die kräftige finanzielle Unterstützung durch den Landesinnungsverband des Bayerischen Zimmererhandwerks, pro Holz Bayern, das Bayerische Forstministerium und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Zu sehen ist sie noch bis zum 5. Februar 2012. Auf nach München!  -gh-


Fotos der Vernissage:  mikado-Bildergalerie

Weitere Informationen:  Architekturmuseum  Pinakothek der Moderne

 

 


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