Auf großes Interesse seitens der Teilnehmer stieß der Themenanlass „Modernisieren mit vorgefertigten Holzrahmenbaufassaden", den Bau und Ausbau Baden-Württemberg am 20. Januar 2012 im Rahmen des Programms von Swissbau Focus veranstaltete. Ziel der Veranstaltung war es zum einen, die Vorteile der Sanierung mit elementierten Holzbauteilen aufzuzeigen. Zum anderen wurde der Brandschutz im mehrgeschossigen Holzbau thematisiert.
Weiterbildung im elementierten Bauen für den Massiv-, Holz- und Trockenbau
m Rahmen seines einleitenden Vortrags ging Dipl.-Ing. Norbert Kuri vom Berufsförderungswerk der Südbadischen Bauwirtschaft zunächst auf aktuelle Entwicklungen im Komzet Bau Bühl - Kompetenzzentrum der Bauwirtschaft ein. Das Komzet, ein Ausbildungs- und Weiterbildungszentrum für das Bauwesen in Bühl (Baden), hat im Rahmen eines dreijährigen, staatlich geförderten Projekts spezielle Ausbildungs- und Weiterbildungsangebote im elementierten Bauen für den Massiv-, Holz- und Trockenbau entwickelt. Aufgaben des Kompetenzzentrums sind die Bewerbung der elementierten Bauweise, das Angebot spezieller Weiterbildungsprogramme sowie die Beratung von Firmen. Zudem wird Material zur Darstellung des elementierten Bauens erstellt, z.B. in Form von Broschüren oder Filmen.
Ausgezeichnete TES Energy Facade
„Das Bauen mit vorgefertigten, großformatigen Holzelementen hat gegenüber herkömmlichen Bauweisen viele Vorzüge", betonte Kuri. Hervorzuheben seien unter anderem die hohe Qualität und Präzision des ökologischen Bausystems sowie die Verkürzung der Bauzeit. Der Referent verwies auf das von der TU München federführend umgesetzte europäische Forschungsprojekt „TES Energy Facade", das die Entwicklung einer systematischen Methode zur Verwendung vorgefertigter, großformatiger Holztafelelemente zur energetische Modernisierung der Gebäudehülle von Bestandsbauten zum Ziel hat. Inzwischen seien zahlreiche Sanierungsprojekte nach dem Prinzip des elementierten Bauens mit Holz umgesetzt worden.
Ein Beispiel sei die Fassadensanierung des Internatsgebäudes im Ausbildungszentrum Bühl im vergangenen Jahr. Durch die Montage von Holzfassadenelementen sei ein sowohl energetisch als auch architektonisch ansprechendes Ergebnis erreicht worden. So konnte der U-Wert der Außenwand von ursprünglich ca. 0,72 W/(m2K) auf jetzt ca. 0,19 W/(m2K) bzw. 0,16 W/(m2K) erheblich reduziert werden. Auch im Brandschutz und im Schallschutz wurde mit Hilfe entsprechender baulicher Maßnahmen eine optimale Lösung erzielt.
Brandsicher hoch hinaus - Lösungen für den mehrgeschossigen Holzbau
Die Thematik des Brandschutzes im mehrgeschossigen Holzbau behandelte in einem zweiten Vortrag Frau Dr. Mandy Peter von der bauart Konstruktions GmbH & Co. KG, München. Unter der Überschrift „Brandsicher hoch hinaus - Lösungen für den mehrgeschossigen Holzbau" stellte die Referentin die konstruktiven Anforderungen zur Gewährleistung des in der Musterbauordnung, den Landesbauordnungen sowie der Muster-Holzbaurichtlinie definierten Brandschutzes vor. Sie konzentrierte ihre Ausführungen insbesondere auf die neu eingeführte Gebäudeklasse 4. Hier gilt hinsichtlich der brandschutztechnischen Vorgaben für Bauteile, dass diese „hochfeuerhemmend" sein müssen. Frau Dr. Peter ging im Einzelnen auf die Anforderungen an Baustoffe, Bauteile, Brandschutzbekleidungen, Bauteilanschlüsse, Öffnungen für Türen und Fenster sowie Installationen ein.
Abschließend wies die Referentin auf die Möglichkeit hin, aufwendige Konstruktionen zur Gewährleistung des Brandschutzes mit Hilfe von baulichen und anlagentechnischen Kompensationsmaßnahmen - wie z.B. ein optimiertes Rettungskonzept im Gebäude oder die Installation von Brandmeldeanlagen - zu vermeiden. Eine solche Abweichung von der Landesbauordnung müsse rechtzeitig beantragt werden und erfordere eine frühzeitige Abstimmung zwischen Bauherren, Planern und zuständigen Bauaufsichtsbehörden.



mikado 1-2.2012

