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Die Wenigsten sind reine Söldner

Thomas Behnke, Geschäftsführer des Verbands Niedersächsischer Zimmerer, gab einen Überblick über die Branchensituation (Foto: mikado)

Wohin wird es im Holzbau und in Niedersachsen in den nächsten Jahren gehen? Diesen Fragen stellten sich die Teilnehmer und Referenten des 65. VNZ-Verbandstages am 20. Und 21. September 2018 in Hamburg. Nach der Begrüßung von Karl Hoffmeister erläuterte Thomas Behnke wie gewohnt die Zahlen. Er gab den niedersächsischen Zimmerern einen Überblick über die die Erkenntnisse aus dem Holzbau Deutschland Betriebsvergleich 2016 und dem Lagebericht 2018 und erläuterte die Bedeutung für die Holzbaubranche in Niedersachsen.

Thomas Behnke, Geschäftsführer des Verbands Niedersächsischer Zimmerer, gab einen Überblick über die Branchensituation (Foto: mikado)

Erfreulich ist auf jeden Fall die gestiegene Holzbauquote. Damit holt Niedersachsen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt weiter auf. Vor allem im Nichtwohnbau konnten die Zimmerer Prozentpunkte gutmachen und liegen jetzt mit 15,7 Prozent im oberen Drittel verglichen mit dem Bundesdurchschnitt (17,1 Prozent). Probleme bereiten der Branche nicht nur zeitfressende bürokratische Vorgänge, sondern immer drängender auch der Fachkräftemangel. Um diesem erfolgreich entgegentreten zu können, gilt es, vor allem jungen Menschen den Beruf sowie eine Ausbildung im Holzbau schmackhaft zu machen. Zugleich müssen die Unternehmen immer häufiger in Wettbewerb mit ihren Kollegen treten, wenn es darum geht, gute Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden und neue zu finden.

Mit Employer Branding aus der Fachkräftenot

Andrea Eigel gab Tipps für ein erfolgreiches Employer Branding (Foto: mikado)

Einen Weg aus der Misere zeigte Andrea Eigel in ihrem Vortrag zum Employer Branding auf. Auch sie ist davon überzeugt, dass sich der Arbeitsmarkt weg vom Arbeitgebermarkt, hin zum Arbeitnehmermarkt entwickeln wird. Wer also die guten Mitarbeiter haben möchte, muss seinen Betrieb entsprechend aufstellen. Denn die wenigsten Fachkräfte sind heutzutage reine Söldner. Die Bezahlung spielt zwar eine wichtige Rolle, ist jedoch nicht alleine kriegsentscheidend. Hinzu kommen das Arbeitsumfeld, die Organisation im Betrieb, die Art der Projekte und das Image des Unternehmens. Noch dazu ist nicht jeder Mensch gleich oder hat die gleichen Bedürfnisse. Je nach Persönlichkeit und Lebenssituation werden die einzelnen Kriterien verschieden gewichtet. Unterschiedliche Angebote, die an die Bedürfnisse derjenigen angepasst sind, die ein Unternehmen gerne beschäftigen würde, sind das Geheimnis. Und dann gilt es, das eigene Angebot auch bekannt zu machen, im Internet und im Einzugsgebiet.

Trends im Holzbau

Aus den erweiterten Möglichkeiten ergeben sich ganz neue Herausforderungen für den Holzbau, prognostizierte Henning Klattenhoff (Foto: mikado)

Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen: alle drei haben in diesem Jahr mit der Novellierung ihrer Landesbauordnung einen wichtigen Schritt im und für den Holzbau getan. Zwar unterscheiden sich die Regelungen im Detail, gemeinsam ist ihnen aber, dass sie nun mehr Holzbau zulassen. Mehr Holzbau, vor allem im urbanen Raum, ist ein Trend, den auch Henning Klattenhoff von der Assmann Beraten + Planen AG in Hamburg beobachtet. Der Holzbau nimmt prozentual zu, auch wenn es noch keine Explosion der Marktanteile gibt. Noch dazu werden heute auch sehr große Projekte in Holz geplant und gebaut. Vom Fünfgeschosser zum Skyscraper. Aus diesem positiven Trend ergeben sich für Planer und Ausführende einige neue Herausforderungen. So spielt das Schwingungsverhalten in diesen Höhen selbstverständlich eine ganz neue Rolle. Zudem wird die Detaillierung wesentlich komplizierter und in Wassernähe muss sich der Planer intensiv mit der Gründungssituation auseinandersetzen. Ein Trend, den Klattenhoff eher kritisch sieht, ist der Wandel von der Holzbauarchitektur zur Architektur in Holz. Immer häufiger planen Architekten Gebäude in Holzbauweise ohne die Besonderheiten des Baustoffs in der Architektur zu berücksichtigen. Klattenhoff geht davon aus, dass künftig nicht mehr hauptsächlich Holzbauexperten in Holz planen und bauen werden. Der Boom zieht viele an, die sich mit dieser Bauweise zuvor nie befasst hatten. Deshalb rät er Architekten und Planern, das ausführende Holzbauunternehmen so früh wie möglich in die Planung einzubeziehen und gegebenenfalls Wissenslücken füllen zu lassen.

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