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Ein kleines, fast unscheinbares Einfamilienhaus in einer Wohngegend in Nantes. Ein Geschoss plus Dachboden, ein kleiner, leicht von der Straße zurückgesetzter Bau. Die Nachbarbebauung schmiegt sich eng an das Objekt an, Giebel an Giebel stehen die einzelnen Bauten nebeneinandergedrängt. Die unterschiedlichen Traufhöhen und Geschosszahlen lassen ein unruhiges Bild entstehen. Das Haus wurde bereits zwei Mal als zu klein befunden und erweitert. Daraus erstand ein verschachtelter, kleindimensionierter Bau mit einer Aufenthaltsqualität, die nicht heutigen Standards entsprach. Neben dem Bau mit Satteldach befand sich ein kompakter, doppelstöckiger, quaderförmiger Garagenanbau mit einem Wohnraum im oberen Stock. Beide Elemente zusammen ergaben eine optisch etwas ungünstige Konstellation. Die Bauherren wünschten nun mehr Platz und mehr Licht für ihr Zuhause. Sie beauftragten das Architekturbüro Mabire Reich.

Geldknappheit fördert funktionale und ästhetische Lösungen

Der Architekt Antoine Mabire liebt derart komplexe Projekte. In seinen Augen sind sie lehrreich und fordern den Planer heraus. Da in den meisten Fällen auch die finanziellen Ressourcen knapp sind, heißt es für die Architekten, sich einfache, aber funktionale und zugleich ästhetische Lösungen zu überlegen. Auf dieser Grundlage lassen sich auch in diesem Objekt kaum sinnlose oder gar teure Spielereien finden. Stattdessen wurden ungewöhnliche Materialien stilvoll miteinander verknüpft. Doch zunächst widmeten sich die Planer dem Bestand. Mit der durchaus schwierigen baulichen Situation konfrontiert, versuchten sie, die verfahrene Raumgemengelage aufzulösen.

Dabei galt die Betrachtung zunächst einmal der Frage, ob der Bestand zu retten und damit etwas Sinnvolles anzufangen sei oder ein kompletter Neubau entstehen sollte. Die Planer entschieden, den Umbau ressourcen- und materialschonend zu gestalten. So durfte viel Altbestand bleiben, das Dach samt Teilen der obersten Geschossdecke jedoch fiel dem Abriss zum Opfer. Die nächste Überlegung führte zur Wahl des Baumaterials. Da Altbestand in das neue Gefüge mit eingebunden werden sollte, war seine Tragfähigkeit ein limitierender Faktor bei der Wahl der neuen Bauteile. Die Planer ließen nur Bodenplatten und Erdgeschossmauerwerk stehen. Die neuen Bauteile mussten also in erster Linie leicht und flexibel sein. Holz schien als das ideale Baumaterial mit dem weiteren Vorteil, dass die Elemente vorgefertigt auf die Baustelle gebracht werden konnten und sich die Belästigung der Nachbarn durch eine kurze Bauzeit in Grenzen hielt.

Spuren erhalten

Die Spuren des Altbestands haben die Planer nicht verwischt. Stattdessen arbeiteten sie die unterschiedlichen Bauphasen des Hauses heraus und ließen sie deutlich sichtbar, wie etwa die alten Backsteinmauern nach der Entfernung des Putzes. Deutlich ist an den Giebelwänden im zentralen Raum zu sehen, dass die ursprüngliche Dachneigung mit dem Neubau verändert wurde, um mehr Raumhöhe zu gewinnen und die Trauflinie ein Stück anzuheben. „Ein Haus zu erweitern bedeutet, einem bestehenden Gebäude eine zusätzliche Schicht hinzuzufügen, die es an einigen Stellen erlaubt, die vorherigen zu sehen. Das Haus ist ein Beispiel für diesen Schichtprozess, ein Bild seiner Lebenszeit, die durch die sich ändernden Bedürfnisse der Vorbesitzer geprägt ist“, berichtet Mabire.

 

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