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Georg Wasensteiner nimmt seine Holzliege, dreht sie um und deutet auf die Stelle, wo die Holme der Sitzfläche und der Rückenlehne zusammenstoßen. „Das ist ein Fersenversatz“, erklärt er. „Ein typisches Zimmererdetail. Auf alten Dachstühlen hatte ich das unzählige Male gesehen. Und so war es irgendwie ganz selbstverständlich, diese klassische Holzverbindung einfach mal aufzugreifen und auszuprobieren. Eine Lösung, auf die ein Schreiner oder Produktdesigner wahrscheinlich nicht so schnell kommen würde, die sich aber als ideal erwies.“

Erste Idee: Innovative Falttechnik für Querwölbung

Seit Anfang 2020 baut Wasensteiner hauptberuflich Möbel. Nach drei Jahrzehnten Tätigkeit als Zimmerer hatte er eine große Lust verspürt, noch einmal etwas ganz anderes zu machen. Anfang 2016 begann er, sein Hobby nebenberuflich zu betreiben und zu experimentieren. Mit überraschendem Erfolg. Seine Holzliege „Simplivita“ gewann 2020 eine Goldmedaille beim begehrten German Design Award. „Die Simplivita fällt aufgrund ihrer markanten Formensprache sofort ins Auge. Die ergonomisch gewölbte Liegefläche verjüngt sich symmetrisch zu beiden Seiten auf gleicher Länge, wodurch die Form insgesamt wunderbar ausbalanciert wirkt. Zum anderen fasziniert der mittig liegende Faltmechanismus, durch den sich die aus Lärchenholz gefertigte Liege gänzlich flach – und damit komfortabel tragbar – zusammenlegen lässt“, lobte die Jury. „Vor allem aber bietet das gefertigte Möbel einen exquisiten Liegekomfort. Ein angenehm natürliches Produkt mit einem zeitlos eleganten Design, das Form und Funktion elegant verbindet.“

 

Mit ihrer Entwicklung begonnen hatte Wasensteiner im Januar 2019, als der Isarwinkel im Schnee versank und die Jachenau von der Außenwelt abgeschnitten war. Die Ruhe inspirierte ihn. Eine gute Liege wollte er schon seit längerer Zeit bauen. Beim Baden im Walchensee hatte er sich immer gewundert, dass es zwar viele gab, aber keine wirklich überzeugt. Und plötzlich überkam ihm dann eine Idee – ein Geistesblitz aus heiterem Himmel. Vorbild war das Grundprinzip eines Klappstuhls, den Holzfäller aus Kanada nach Europa gebracht hatten. Als industrielles Massenprodukt werden solche Möbel heute in jedem Baumarkt angeboten. Allerdings recht plump, eckig, unbequem. „Mein Ziel war, etwas an den menschlichen Körper besser Angepasstes zu entwickeln“, so Wasensteiner. Und er probierte seine Idee einfach aus. Immer und immer wieder. Ohne Zeichenbrett, ohne Computer, im Maßstab 1:1 direkt am Objekt: die Falttechnik, Versätze, Gewindestangen und Hülsen aus Edelstahl. Wenn eine Liege fertig war, überlegte er, was noch verbessert werden könnte – und fing mit der nächsten an.

Zweite Idee: Bugholz für Längswölbung

Rund 30 Versuche, immer wieder kleine konstruktive, gestalterische oder ergonomische Änderungen. Und irgendwann hatte er das Gefühl, dass es passte. Das täuschte nicht, denn es reichte sogar zum Gewinn des begehrten Designpreises. Doch auf seinen Lorbeeren hat sich Wasensteiner nicht ausgeruht. Es kam ihm eine neue Idee: Bugholz. Was war das gleich wieder? Richtig – die berühmten Thonet-Stühle, Inbegriff der Kaffeehaus-Kultur des 19. Jahrhunderts. Um 1830 hat Michael Thonet die Möbelklassiker entworfen und das zur Herstellung notwendige Verfahren erfunden: Vollholz unter Wasserdampf biegen. Heute gibt es nur noch wenige Unternehmen, die diese Technik beherrschen. Eines davon ist das Holzbiegewerk Heller in Oberfranken. Hier lässt Wasensteiner seine Kerneschen-Holme biegen. Ergebnis: Die Flächen seiner Liege sind nun auch in Längsrichtung gewölbt, sehen noch eleganter aus und sorgen für ein noch angenehmeres Gefühl.

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