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Im schweizerischen Winterthur passiert im Moment eine Menge in Sachen großdimensionaler Holzbau. Unter anderem entsteht direkt beim Bahnhof ein urbanes Wohn- und Arbeitsquartier für über 1500 Menschen: die Lokstadt. Ende 2020 wurde nach zweijähriger Bauzeit der erste Wohnbau des Stadtentwicklungsgebiets fertig. Dieser sechs- bis achtgeschossige Holzbau namens „Krokodil“ ist ein Großprojekt der besonderen Art. Nicht nur sind die Außenabmessungen des ringförmig um einen Innenhof angelegten Gebäudes mit 106m Länge, 65m Breite und 25m Höhe enorm, sondern der erste Baustein der Lokstadt-Überbauung steht auch für die Vielfalt des Areals.

Der Neubau beherbergt neben Gewerbeflächen im Erdgeschoss 248 Genossenschafts-, Miet- und Eigentumswohnungen. Mit rund 30 000 m² Nutzfläche gehört er zu den größten seiner Art und weist zudem den Weg in die 2000-Watt-Gesellschaft, die unter anderem auf eine ressourceneffiziente Bauweise setzt.

Lokomotive als Namensgeber für den ersten Wohnbau des Areals

Die Lokstadt in Winterthur war von 1850 bis 2010 die wichtigste Produktionsstätte für neue Lokomotiven und Züge in der Schweiz. Die Werkhallen der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) waren die bedeutendste Lokschmieden des Landes. Ihre Loks schrieben Eisenbahngeschichte, und einige davon geben den neuen Gebäuden der Lokstadt, die zwischen 2018 und 2025 auf diesem Areal entstehen, ihren Namen. So auch die erste elektrische Gotthard-Lokomotive „Krokodil“, die ab 1919 hier gefertigt wurde. Als Hommage an diese legendäre Lok wurde auch das erste fertige Bauwerk „Krokodil“ getauft.

 

Das Areal besteht zum Teil aus wertvollen und denkmalgeschützten Industriehallen, zum Teil aus Gebäuden, die modernen Ersatzneubauten weichen. Bei den Neubauprojekten legt die Bauherrschaft gleichermaßen Wert auf einen sorgfältigen Umgang mit der städtebaulichen und architektonischen Vergangenheit wie die Planer. Denn es gibt wenige gute Beispiele, bei denen bestehende Industrieareale ohne umfassenden Bruch mit der städtebaulichen und architektonischen Vergangenheit umgenutzt werden. Dies soll bei der Lokstadt anders werden. So gewannen das Zürcher Architekturbüro Baumberger & Stegmeier zusammen mit KilgaPopp Architekten aus Winterthur nicht zuletzt wegen ihres beispielhaften Umgangs mit der Geschichte des Areals den Architekturwettbewerb.

Holzbau: Logische Lösung für zukunftsfähiges Stadtquartier

Die neue Überbauung soll eine Vorzeigesiedlung werden. Die Bauherrschaft definierte den SIA-Effizienzpfad 2040 (Merkblatt des Schweizer Ingenieur- und Architektenverbands für die Umsetzung der 2000-WattGesellschaft im Gebäudebereich) sowie Minergie-P, das Schweizer Label für Niedrigstenergie-Bauten, als Ziel. Einen Holzbau zu planen, war die logische Konsequenz. Die großen Innenhof ist in Anlehnung an die ehemaligen Industriehallen als Skelettbau konzipiert. Mit dem architektonischen Vokabular und der strukturellen Ordnung des Hauses erinnern die Architekten an die ehemaligen Produktionshallen.

Dem „Krokodil“ ist die Holzkonstruktion von außen nicht anzusehen. Lediglich die bekleidete und rhythmisierte Fassade lässt einen Skelettbau dahinter vermuten. Das Holzskelett aus Brettschichtholz(BSH)-Stützen und -Trägern samt Brettsperrholz(BSP)-Deckenplatten sowie die Summe aller Außen- und Innenwände aus Holz machen insgesamt rund 80 Prozent des Konstruktionsanteils aus. Nur die beiden Untergeschosse, die Umschließungswände der Treppenhäuser und Aufzugsschächte sowie die Erschließung und die Gewerberäume im Erdgeschoss wurden aus Beton errichtet.

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