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Die Innsbrucker Museumstraße hat schon viel gesehen. In der alteingesessenen Einkaufsstraße reiht sich Altbau an Altbau und Geschäft an Geschäft. So auch das Haus mit der Nummer 14, in dem sich früher einmal ein Textilgeschäft befand. Vor einigen Jahren wurden die Geschäftsräume im Erdgeschoss komplett saniert. Doch die drei Etagen plus Dachgeschoss darüber blieben vorerst unangetastet. Doch was von außen kaum wahrnehmbar war: Unter den Dachbalken schlummerte ein wahrer Schatz. Zu sehen war er freilich nicht. Nur wer einen geübten Blick auf die Nachbarbebauung warf, konnte erkennen, dass die umliegenden Gebäude erheblich höher waren.

Für das Gebäude bedeutete dies: Es gab die Möglichkeit zum Aufstocken. Gerade in Innsbruck, der österreichischen Stadt mit den höchsten Wohnkosten, konnte so durch Verdichtung dringend benötigter Wohnraum in einer Spitzenlage geschaffen werden. „Es war klar, dass in diesem Gebäude Wohnungen errichtet werden sollten. Da es eine Top Lage ist, war es natürlich auch logisch, qualitativ hochwertig zu bauen“, berichtet der Architekt Gerhard Hauser. Doch der Weg dahin war steiniger als gedacht. Das Gebäude mit einem zum Teil ausgebauten Dachgeschoss durfte laut Bebauungsplan einen ordentlichen Volumenzuwachs erfahren. So machte sich das Team rund um den Innsbrucker Architekten Gerhard Hauser an die Planung.

 

Die erste Idee, Wohnen und Arbeiten in Einheiten auf mehreren Ebenen zu vereinen, verwarf das Team, nachdem eine kleine Analyse dieser Version eine schlechtere Vermietbarkeit attestierte. Auch die nächsten Entwürfe, die reinen Wohnraum vorsahen, erwiesen sich als nicht genehmigungsfähig. Der Gestaltungsbeirat, der in Innsbrucker Innenstadtlagen fast überall das letzte Wörtchen mitzureden hat, verwarf die Pläne, da der neue Baukörper seiner Meinung nach 20 Zentimeter zu hoch war. „Wir hätten so zwar eine noch bessere Raumqualität bieten können, aber das war unmöglich. In der genehmigten Version haben wir immerhin ab der obersten Geschossdecke um 2,5 Etagen aufgestockt“, berichtet der Architekt.

Neubau kragt aus

Das neue vierte Obergeschoss muss man auf der zur Museumstraße orientierten Nordseite in der Tat sehr genau anschauen, um den Neubau dahinter zu erkennen. Der Neubau geht in seinem Äußeren nahtlos in den Bestand über. Das darüber liegende Dachgeschoss mit einer weiteren Etage im Spitzboden heben sich dann durch die zinkverkleidete Außenhaut deutlich ab. Auch die Idee, das gesamte Gebäude in den Innenhof um drei Meter zu verlängern und somit mehr Raum zu schaffen, mussten die Planer nach kurzer Zeit verwerfen. Stattdessen kragen nun die neuen Obergeschosse zur Innenhofseite um ca. 2,60 Meter über den Bestand aus und schaffen so einige Kubikmeter zusätzlichen Wohnraum. So manche Vorgabe lässt den Betrachter aber auch mit Kopfschütteln zurück: Während es nicht notwendig war, barrierefrei zu bauen, mussten die Planer einen Kinderspielplatz auf dem Dach realisieren. Dies führte aufgrund der zu erwartenden Lärmemissionen zu weiterem Abstimmungsbedarf mit der anliegenden Rechtsanwaltskanzlei im Nebenhaus.

 

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