Werbung
Werbung

2020 hat die UNESCO das Bauhüttenwesen in das Register guter Praxisbeispiele zum Erhalt immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Damit würdigt die UN-Kulturorganisation den internationalen Modellcharakter dieser Werkstätten und der darin Arbeitenden. Das für den Passauer Dom zuständige Team hat vor diesem Hintergrund nun ein neues Zuhause erhalten. Es ist eine Dombauhütte in Holzbauweise, in der moderne Technik und historische Handwerkskunst Hand in Hand neben- und miteinander ausgeübt werden. Die Lage direkt neben der Kathedrale garantiert kurze Wege. Das Baumaterial Holz und die vom Planungsbüro entwickelte Architektur der Hütte überlassen dem barocken Ensemble bewusst die Hauptrolle am Platz, ohne dass sich der Neuzugang selbst versteckt.

 

Stattdessen interpretiert er den Archetypus „Hütte“ in Form einer baulichen Skulptur mit homogener, einfacher Lärchenholzhülle. Um den Betrachter nicht von der Kathedrale abzulenken, verjüngten die Planer das Bauvolumen und die Höhenentwicklung des Holzbaus geometrisch sowohl im Grundriss als auch in der Ansicht und verzerrten dabei die „Hütte“ perspektivisch. Dadurch generierten sie die Proportionen des Werkstattgebäudes entlang der historischen Sichtbeziehungen und Gebäudeachsen so, dass der fallende First und der sich konisch verjüngende Grundriss den Dom optisch nicht verstellen. Um die Dombauhütte samt Werkhof und Außenlager im Geländeverlauf zu integrieren, setzten sie das erforderliche Raum- und Funktionsprogramm zudem auf zwei Ebenen um, wobei sie die Lagerflächen innen teilweise schräg ausbildeten.

Tageslicht im Blick

Der Holzmassivbau und dessen Verkleidungen nutzen als Baustoff das Holz heimischer Bäume und recyceltes Dämmmaterial. Nach ihrem Nutzungsende kann die Hütte somit komplett rückgebaut und das Material wiederverwendet werden. Die gesamte Gebäudehülle inklusive der Dächer der einzelnen Werkstattgebäude und der Gerüstverkleidung ist als offene, vorgehängte Holz-Spalierfassade konzipiert. Alle Öffnungen und Fenster – auch die Dachflächenfenster – verbergen sich hinter diesem transparenten hölzernen Kleid. Darüber hinaus wurden sie bewusst auf ein Mindestmaß reduziert, um die Dachaufsicht wie eine fünfte Fassade wirken zu lassen.

Da die Arbeitsbereiche eine natürliche Belichtung inklusive einer Sichtverbindung nach außen benötigen, versorgt ein mit einem Oberlicht kombiniertes, verglastes Tor im Westen der Anlage den Steinmetzbereich mit Tageslicht. Ergänzt wird diese Lichtquelle durch vier nach Norden ausgerichtete kleinere Dachflächenfenster mit mattierten Gläsern. Die im Obergeschoss arbeitenden Handwerker können über Fenster im östlichen Giebelbereich nach draußen schauen.

Ganzen Beitrag lesenLesen Sie den vollständigen Beitrag und entdecken Sie viele weitere Abo-Vorteile!

Verwandte Beiträge