Inmitten einer gründerzeitlich geprägten Stadterweiterung im Westen von Stuttgart entsteht ein neues Quartier. Die Baugemeinschaft mit Namen ‚MaxAcht‘ hat sich dazu entschlossen, den sozialen Faktor mit dem ökologischen zu verbinden und in Massivholzbauweise zu bauen. Dabei entstanden insgesamt elf Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 61 m² und 115 m² sowie ein gemeinschaftlich genutzter Bereich im Erdgeschoss. Die Umsetzung erfolgte mit einem vertikalen Holzbausystem. Es besteht aus mehrlagigen, stehenden und gehobelten Bohlen, die mittels traditioneller Schwalbenschwanz Vergratungen ohnejedweden Kleber zusammengefügt werden. Danach werden in den Elementkern gegeneinanderlaufende, konisch vorgefräste Gratleisten horizontal eingeschoben, was einen kraft- und formschlüssigen Gesamtverbund hervorbringt. Zudem wird die ausgleichende Feuchtigkeitsbewegung des Holzes als zusätzlich stabilisierender Faktor genutzt. Denn während die Bohlen aus Fichten- oder Weißtannenholz einen Feuchtigkeitsgrad von circa 12 Prozent besitzen, weisen die Gratleisten aus Fichten- oder Eschenholz einen Restfeuchtegehalt von etwa 6 Prozent auf. Durch die ausgleichende Bewegung im Holzverbund ziehen sich die trockeneren Gratleisten in Richtung der feuchteren Bohlen fest. Die Konstruktion erfolgt mit technisch auf etwa 12 Prozent Rest- bzw. Ausgleichsfeuchte getrockneten Hölzern.

Hanfdämmstreifen auf den Stößen und in den Fugen

Des Weiteren ermöglichen die Gratleisten im Elementkern, dass beide Seiten eines Elements in Sichtqualität ausgeführt werden können, was z. B. bei Innenwänden ein enormer Vorteil ist. Die Leitungskanäle der Elektroinstallation werden in die Rückseite der ersten raumseitigen Holzlage hineingefräst. Ein weiteres wesentliches Merkmal des Elementaufbaus ist dem jahreszeitlich bedingten Arbeiten des Holzes geschuldet: eine Dehnungsfuge für die wechselnde Luftfeuchte, die dem massivhölzernen Elementverbund von Wänden und Decken den Spielraum beim natürlichen Schwund 90 Grad zur Faser gibt, den es benötigt, ohne dabei die Grundform zu verändern. Die Gesamtphilosophie des luftdichten Massivholz- Bausystems wird komplettiert durch die stehende Ausrichtung der Bohlen, die dem gewachsenen Baum im Wald Rechnung trägt: Der Kronenbereich ist oben, der Wurzelbereich ist unten angesiedelt. Dadurch kann das System sehr hohe Vertikallasten aufnehmen und in die Konstruktion ableiten, was setzungsfreie, mehrgeschossige Massivholzbauwerke wie den „MaxAcht“ ermöglicht. Die baubiologische Ausführung erfährt beim Schließen der
Fugen zwischen den einzelnen Vollholz-Elementen eine konsequente Fortsetzung.

Wandelemente werden mit Ortbeton abgedeckt

Beim Verguss des Ortbetons wurden die Wandelemente abgedeckt (Foto: Architekturargentur Stuttgart)

Hier sorgen Hanfdämmstreifen aus vernadelten Hanffasern ohne weitere Zusätze wie z. B. synthetische Zusatzstoffe für die nötige Luftdichtheit bei den Anschlüssen. Die Gründung des 12 m hohen Viergeschossers der Gebäudeklasse IV erfolgte mit einer 25 cm dicken Stahlbeton-Bodenplatte oberhalb einer Tiefgarage. Ebenso besteht auch der Erschließungskern mit Treppenhaus und Aufzug aus 25 cm dicken Stahlbetonwänden, die in ihrer rohen Materialität belassen wurden. Dieser steift die Konstruktion aus und leitet die Lasten des Holzbaus über die Außenwände sowie über die als Scheiben ausgeführten Massivholzdecken in die Konstruktion ab. Die hochgedämmte, kompakte Gebäudehülle mit einem U-Wert = 0,194 W/(m²K) besteht aus tragenden, vertikalen Massivholzelementen von 18 cm, die in Sichtqualität ausgeführt und außenseitig brandschutzbedingt mit einer zweilagigen Mineralfaserdämmung von 14 cm isoliert wurden. Ebenso wie im Innenbereich zeigt sich der Holzbau über eine hinterlüftete Fassade aus einer vorvergrauten Fichtenholzschalung, die auf einer Konter- und Traglattung sitzt, auch im Außenbereich. Insgesamt wurden für den Massivholzbau 158 werkseitig vorproduzierte Wand- und 286 Deckenelemente aus Fichtenholz eingebaut, deren Oberflächen allesamt Sichtqualität aufweisen. Der Aufbau erfolgte mittels eines Schwellholzes aus Douglasie, welches auf die Bodenplatte geschraubt wurde.

 

Darauf platzierte man die Wandelemente und montierte diese mit 45°-Schrauben. Untereinander wurden die Massivholzelemente mit Holzbauund Vollgewindeschrauben verbunden. Die Befestigung am Stahlbeton-Erschließungskern erfolgte über Betonanker und stählerne Winkelbleche als schub- und druckfeste Vollverankerung.

Massivhölzerne Brandwand

Die tragenden Innenwände wurden ebenfalls mit 18 cm dicken Massivholzelementen ausgeführt, wobei die Wohnungstrennwände schallschutzbedingt einseitig eine Trockenbau-Vorsatzschale erhalten haben. Ansonsten bestehen die nicht tragenden Innenwände aus einer doppelten, voneinander entkoppelten Metallständerkonstruktion, die beidseitig mit Gipskartonplatten von 2 × 12,5 mm beplankt wurden. Um bei den Massivholzdecken deckengleiche Anschlüsse ohne zusätzliche Auflagerbalken zu erzielen, hat man diese am Erschließungskern nicht aufgelegt, sondern mit Stahlwinkeln von oben abgehängt. Hierbei galt es besonders, das Spaltmaß beim Anschluss von Holz zu Beton in geringstmöglichen Toleranzen zu halten. Die deckengleichen Stürze wurden über eine Stahl-Holz Verbundkonstruktion in Holzoptik realisiert. Dabei erfüllt ein auf Abbrand bemessenes Kantholz die Brandschutzvorgaben, das mit dem darüber befindlichen Stahlträger verbunden wurde und auf der Decke bündig aufliegt. Da die Massivholzelemente aus Südtirol über die brandschutzrechtlichen Zulassungen verfügten, konnte selbst die Brandwand sichtoffen belassen werden. Einzig die Wand zum Nachbarn hin wurde in der Trennfuge mit aufgedoppelten Gipsfaserplatten bekleidet.

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