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Der Bau einer Sporthalle in der Bodenseegemeinde Moos wurde schon in der 90er-Jahren diskutiert. Damals wurde auf einem neu entwickelten Sportgelände bereits Platz für eine Halle vorgesehen, allerdings fehlte das Geld dafür. Der frühere Bürgermeister Peter Kessler erinnert sich: „Als ich 1998 ins Amt gewählt wurde, habe ich den Wunsch der Bürgerschaft nach einer Sporthalle von meinem Vorgänger übernommen. Wegen der Finanzen wurde das Thema aber erst ab 2015 konkreter. Man einigte sich im Gemeinderat auf eine 1,5-fach- Sporthalle mit einem Spielfeld von 36 × 18 m. Ein Architektur-Wettbewerb erbrachte einen Siegerentwurf mit einer Kostenschätzung über 3,2 Mio. Euro.

Im Zuge der Entwurfsplanung und der damit verbundenen Kostenberechnung erhöhte das Architekturbüro die Summe auf 4,2 Mio. Euro für den reinen Baukörper. Trotz diverser Umplanungen konnte die Summe nicht wesentlich reduziert werden. Der Gemeinderat zog daraufhin die Notbremse und kündigte die Ingenieur-Verträge, da der Kostenrahmen durch das Büro nicht zu halten war.“ Ein Bauunternehmer aus der Region sah das Dilemma, machte eine eigene Planung für eine Zweifachhalle von 40 × 20 m und bot diese schlüsselfertig für ca. 3,6 Mio. Euro an. Und auch die Sportvereine sprachen sich zwischenzeitlich für diese Größe aus. Solche Direktaufträge sind aber rechtlich nicht zulässig.

Vergabeverfahren und Festpreis

Gesetzlicher Regelfall ist die Vergabe in Teil- und Fachlosen. Dies soll eine mittelstandsfreundliche Beschaffung sichern. Es wurde geprüft, ob eine Ausnahme vom Gebot der Vergabe nach Fachlosen möglich wäre, was letztlich auch von der Gemeindeprüfungsanstalt Baden-Württemberg bestätigt wurde: „Wenn wirtschaftliche und technische Gründe es rechtfertigen, kann von der losweisen Vergabe abgewichen und ein Systemanbieter gesucht werden.“ Schließlich schlug das beauftragte Büro für Projektsteuerung dem Gemeinderat im Herbst 2017 ein „Verhandlungsverfahren nach öffentlichem Teilnahmewettbewerb“ vor, mit dem Ziel, eine „Totalunternehmerlösung“ zu realisieren. Gesucht wurde also jemand, der die Planung macht und diese dann zu einem vorher feststehenden Preis verwirklicht. Mithilfe des Projektsteuerungs-Büros wurde eine funktionale Baubeschreibung erarbeitet, die aber keine Materialwahl zuließ, da eine systemoffene Ausschreibung gefordert war.

Hierzu wurde eine Leistungsbeschreibung mit den technischen Anforderungen und ein Raumprogramm erarbeitet. Ziel sei es gewesen, so Bürgermeister Kessler, die Leistung so umfassend zu beschreiben, dass es nach Möglichkeit nicht zu kostentreibenden Nachträgen kommt. Das Architekturbüro D’Aloisio Architekten BDA gewann schließlich den Wettbewerb und erhielt den Auftrag. Der Architekt arbeitete mit dem Holzbauunternehmen i+R aus Vorarlberg als GU zusammen, das sich bereits im Vorfeld mit seinen Fachingenieuren auf das Projekt vorbereitet hatte. Dazu der heutige Bürgermeister Patrick Krauss: „Das Team sagte eine maximale Bauzeit von 13 Monaten zu, was meiner Meinung nach auf die hohe Leistungsfähigkeit des GU zurückzuführen war.“

Sauerkraut und Lichterspiel

Für die Zweifeld-Sporthalle in Moos mit ihren 20 × 44 m setzte man Fichte-Dreischichtplatten und Leimbinder als tragende Teile ein. Das Raster wurde auf 3,75 m festgelegt, auch an der Decke. Unter den Querhölzern montierte man Akustikplatten, die auch an den Wänden sichtbar gelassen wurden. Diese umgangssprachlich „Sauerkrautplatten“ genannten Elemente bestehen aus langfaseriger Holzwolle, die magnesiumgebunden verpresst wird. Sie sind in verschiedenen Farben erhältlich, weisen gute Brandschutzwerte, eine robuste Oberfläche und eine relativ hohe Wärmespeicherfähigkeit auf. Die Wände wurden mit Mineralwolle gedämmt.

Im Dach dämmen Steinwollelemente zwischen den Sparren. Auch die Windverbände aus Stahl wurden sichtbar gelassen. Der elastische Sportboden mit speziellen Aufbauten entspricht der Sportstättenverordnung. Da in Moos das Bogenschießen gepflegt wird, baute man ein Pfeilfangnetz ein, das bei Bedarf auf Schienen vorgezogen werden kann. Tageslicht von oben liefern die gläsernen Rauchabzugselemente. Ein umlaufendes Lichtband aus Metallfenstern mit Dreifachverglasung ermöglicht den Blick auf den umgebenden Wald. Die Fenster sind aufgrund ihrer hohen Position nicht öffenbar, eine Automatik mit Scherenstangen wäre zu kostenintensiv gewesen. Jede dritte vertikale Fassadenlatte aus vorbewittertem und vorgestrichenem Kiefernholz steht vor und ergibt ein Spiel von Vorund Rücksprüngen. Diese vorstehenden Latten gehen im Fensterbereich durch und erzeugen eine Lamellenwirkung. Sie sorgt für die Verschattung der Fenster, lediglich im Süden sind Screens zwischen Lattung und Glas integriert.

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