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An der Rheinschleife im schweizerischen Rheinau wurde im  September 2021 der Neubau des Bio-Saatgutanbieters „Sativa“ eröffnet. Nahe der Klosterinsel entstand in einem Jahr Aufbauzeit ein Holzbau, der sich trotz seiner zeitgemäßen Konstruktionsdetails perfekt in den historischen Kontext der umgebenden landwirtschaftlichen Bauten einfügt.

Nach Aussage des Architekturbüros Staufer & Hasler Architekten AG lässt in der klaren, fast pragmatischen Grundanordnung nur die fein gezeichnete Bogenfigur der Schaufassaden das reiche räumliche Innenleben des neuen Saatgutzentrums erahnen. Sie ist das Abbild eines über einem riesigen unterirdischen Gefäß aufgerichteten Holztragwerks. Diese Struktur ermöglicht mit ihren doppelt abgehängten, bogenförmigen Trägern die großen Spannweiten für die oberirdischen Arbeits- und Produktionsräume, verleiht diesen aber auch eine erhabene Atmosphäre.

Für den Holzbauer, Zimmerei Egli AG aus Oberhelfenschwil, erläutert Gabriel Länzlinger das 11 Mio. SFr. umfassende Projekt. 30 m × 30 m sind die Maße des Neubaus, der sich am vorher hier befindlichen Schweinestall orientiert, die Firsthöhe beträgt 9 m. Das Objekt ist bis auf den zweigeschossigen massiven Keller und das massive Treppenhaus ein Holzbau, die Zwischendecke wurde als Holz-Beton-Verbunddecke ausgeführt. Bis auf die Elemente aus Buchen-Furnierschichtholz wurde der Bau aus Mondholz gefertigt. Speziell ist zudem die Außenwand-Konstruktion mit Bohlenwänden, angelehnt an die frühere Strickbauweise. „Dabei ist das Holz nicht liegend, sondern stehend angeordnet. Die Bohlen weisen die Maße von jeweils 10 cm × 20 cm auf, jede zweite Bohle ist um 90 Grad gedreht, was ein Wechselbild zwischen 10 und 20 cm ergibt. Dieses Raster zieht sich durch das ganze Gebäude und auch die Sichtbalken und -sparren sind darauf abgestimmt“, berichtet Länzlinger. Die Beschaffung des Holzes sei nicht ganz einfach gewesen. „Die Montage war für November vorgesehen und aufgrund des Ausschreibungszeitpunktes im Frühling waren Lieferanten nur schwer zu finden, denn normalerweise wird Mondholz auf Bestellung geschlagen. Das war in diesem Fall nicht möglich. Daher suchten wir einen Lieferanten, der das benötigte Rundholz lagerhaltig hatte.

 

Wir fanden schließlich eine Sägerei im nahen Schwarzwald, die ca. 4000 m3 Mondholz am Lager hatte“, erklärt Länzlinger. Meist wurde Fichtenholz verarbeitet, die Fassade des Saatgutzentrums besteht aus Lärche. Es wurden dann 120 m3 für Dach und Wände, 72 m3 für Wandbohlen, 28 m3 für die Dachkonstruktion als Sichtsparrenlage geliefert, dazu 95 m3 Brettschichtholz als Dachtragwerk, mit Bogenträgern und Pfetten. Lediglich 95 m3 BauBuche als Buchen-Furnierschichtholz sind kein Mondholz.

Steil trifft auf rund

Das Dach besteht aus vier nebeneinander angeordneten Satteldächern. Von außen lehnt sich die Dachform den ursprünglichen Stallungen an, dies wird insbesondere durch die großen Vordächer noch verstärkt. Innen wird das Dach von den gebogenen Firstträgern dominiert, dadurch entsteht ein kathedralartiger Dachraum. Die Konstruktion selbst besteht aus einer Sichtsparrenlage.

Zwischen den Sparren sind perforierte Dreischichtplatten als Akus- tikverkleidung montiert, dahinter die Dämmung. Die dreieckigen Füllungen zwischen Bogenträger, Stütze und Dachsparren sind eingenutet – ein aufwendiges Detail, anderweitig jedoch kaum zu realisieren. Die Bogenträger spiegeln sich auch an der Fassade wider, dort wurden diese Füllungen ochsenblutrot gestrichen, dadurch wird die Wahrnehmung der Tragkonstruktion noch verstärkt. „Statisch herausfordernd war die Deckenkonstruktion mit den auflagernden Bogenträgern. Die Decke ist als Holz-Betonverbund-decke mit einem Mittelauflager und je 15 m Spannweite konzipiert. Folglich ergibt sich jeweils in der Mitte des Feldes ein Auflager der Bogenträger. Damit die Lasten aus den Bogenträgern abgetragen werden können, wurde bei diesen Achsen die Dimension der BauBuche-Träger von standardmäßig 200 mm × 600 mm auf 240 mm × 720 mm erhöht.

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