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Direkt hinter dem Garten erstreckt sich der Park Alt- Riem. U- und S-Bahn-Stationen sind in Gehweite. Und wer Kinder hat, kann sie quasi gegenüber zur Schule schicken. Als die Architektur Werkstatt Vallentin GmbH auf ein 4000 m² großes städtisches Grundstück in München Alt-Riem aufmerksam wurde, um das sich Baugemeinschaften bewerben konnten, waren die Architekten sofort begeistert. Sie entwickelten ein Konzept, nahmen damit am Vergabeprozess teil und erhielten den Zuschlag für das Grundstück. Ihr Erfolgsgeheimnis: ein 96 m langer Holzbau in Passivhausbauweise, der den von der Stadt gewünschten Wohnungsmix über eine Terrassierung der Geschosse umsetzt und so das Thema Stadt und Grün verbindet.

Hybrides Paar: Decken aus Stahlbeton, Hülle aus Holz

Das Untergeschoss sowie die Decken und Wohnungstrennwände der mehrgeschossigen Anlage wurden in Stahlbetonbauweise realisiert. Die gesamte Hülle, von den Außenwänden bis zu den Laubengängen, besteht aus Holz. Die Fassade realisierte die Zimmerei Lackner Holzbau aus Anzenkirchen/Triftern in Holzständerbauweise, beim Dach kam die Massivholzbauweise zum Einsatz. Im Sinne einer kostengünstigen Konstruktion läuft das Tragwerk des Neubaus zudem von oben nach unten durch, wobei die Stahlbetondecken zwischen den Trennwänden gespannt sind und die Sanitärbereiche konsequent übereinander angeordnet wurden.

Die äußere Hülle des Gebäudes bildet eine horizontale Lärchenholzschalung auf Luftlattung und Unterdeckplatte. Das Vollholzständerwerk dahinter flockten die Zimmerer mit Zellulose aus und kombinierten dazu OSB-Platten zur Aussteifung. Auf der Wandinnenseite schließt eine 6 cm dicke Installationsebene an das Tragwerk an. Sie besteht aus Holzlatten, die mit Mineralwolle ausgefacht und mit zwei Lagen 12,5 mm Gipskartonplatten beplankt wurden. Die Außenwände der Giebel sowie die Wohnungstrennwände wurden jeweils tragend ausgeführt, da die Stahlbetondecken hier aufliegen. Die Laubengänge erhielten Brettstapeldecken, die ebenfalls auf den Außenwänden aufliegen und zusätzlich mit Stahlwinkeln an den außen liegenden Stützen befestigt sind. Die nichttragenden Innenwände sind Trockenbaukonstruktionen.

 

Das Dach der Wohnanlage basiert auf einer 22 cm dicken Brettstapeldecke mit Gründachaufbau: Dampfsperre, Gefälledämmung, Abdichtung, Trennmatte und extensive Dachbegrünung. Auf der Rauminnenseite vervollständigt eine abgehängte Gipskartondecke mit einer zusätzlichen, 20 cm dicken Dämmschicht die Konstruktion. Für die von Geschoss zu Geschoss weiter zurückspringenden Terrassen ergänzten die Handwerker die 26 cm dicken Stahlbetondeckenplatten im Außenbereich mit einem Flachdachaufbau. Dieser setzt sich aus der Dampfsperre, 12 bis 16 cm PURDämmung, Abdichtung, Bautenschutzmatten und Terrassenbelägen zusammen.

Kosten und Zeit sparen, aber wie?

Das Thema Kosteneffizienz geht das Projekt „StadtNatur“ auf vielerlei Arten an. So holte Architekt Gernot Vallentin bereits frühzeitig Angebote für die verschiedenen Gewerke ein – noch im Vorfeld der Ausführungs- und Detailplanung. Die letztlich beauftragten Unternehmen freuten sich über die Planungssicherheit bzw. die gesicherte Auftragslage. Die Baugemeinschaft profitierte von den in der aktuellen Hochpreisphase vergleichsweise günstigeren Angeboten und akzeptierte dafür eine gewisse planerische Unschärfe, da die Details zum Vergabezeitpunkt noch nicht komplett ausgearbeitet waren.

Um durch die Coronapandemie bedingten Stillstand oder Ausfälle zu verhindern, gaben die Planer frühzeitig Standards vor – etwa für Präsenztermine und Besprechungen – und entwickelten Hygienekonzepte. „Das hat natürlich Aufwand erfordert“, verrät Vallentin. „Doch letztlich hat es funktioniert.“ Und so konnte das Projekt trotz der Pandemie fristgerecht übergeben werden. Das durchdachte Planungskonzept machte sich auch bei den Brandschutzanforderungen positiv bemerkbar: Mithilfe der Laubengänge, die an beiden Seiten in Treppenhäuser münden, entstand eine optimale Rettungswegsituation. Für die nur von jeweils einem Treppenhaus aus erreichbaren Apartments wurden die südseitigen Balkone als zweiter Rettungsweg ausgewiesen, sodass auch dafür keine zusätzlichen Fluchtwege notwendig waren – und Kosten gespart wurden.

 

Darüber hinaus wurden insgesamt acht Wohnungstrennwände mit Mineralwolldämmung so voneinander abgeschottet, dass in dem fast 100 m langen Gebäude sogar auf Brandwände verzichtet werden konnte. Im Hinblick auf die kostengünstige Realisierung der Wohnanlage spielte nicht zuletzt das Thema Eigenleistung eine große Rolle. Während bestimmte Gewerke und Bauarbeiten
den Profihandwerkern vorbehalten waren, etwa den Zimmerern, werkelten die Bauherren an anderen Stellen mit. Sie legten Bodenbeläge, verschalten Nebengebäude, setzten Pflanzen und planten sogar die Photovoltaikanlage – natürlich fachlich begleitet vom Elektroplaner, der „seinem“ Team mit Rat und Tat zur Seite stand.

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