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Mit dem Stadtcasino besitzt Basel seit 1876 ein Kleinod, das zusammen mit dem nahe gelegenen Theater, dem Historischen Museum und der Kunsthalle einen kulturellen Hotspot der Stadt bildet. Um dem bestehenden Musiksaal des Gebäudes mehr Freiraum für die benötigte Raumerweiterung zu verschaffen, wurden diverse Möglichkeiten und Varianten untersucht. Die einzige überzeugende Lösung war, den Musiksaal als autonomen, vom 1939er-Casinobau freigespielten Baukörper zu begreifen. Die Erweiterung musste wie selbstverständlich aus dem historischen Kernbau herauswachsen. So war es wichtig, den Erweiterungsbau in der – zumindest für den flüchtigen Blick – gleichen, neobarocken Sprache zu gestalten.

 

Während es sich bei der bestehenden historischen Fassade um eine Putzfassade mit simulierten Steinfugen handelt, ist jene des Neubaus aus bautechnischen und energetischen Gründen als gedämmte Stahlbetonwand mit einer hinterlüfteten Verkleidung ausgebildet. Hierfür stellte sich Holz als das geeignetste Material heraus. Die von der Originalfassade übernommenen Geometrien wurden leicht verändert, um den konstruktiven Anforderungen des Naturwerkstoffs gerecht zu werden.

Natürliches Accoya-Holz im Einsatz

Bereits bei der Erstellung des Musiksaals im 19. Jahrhundert wurden einige Bauteile entgegen ihrer eigentlichen Erscheinung in Holz ausgeführt und dem beabsichtigten gestalterischen Ausdruck entsprechend mit Spachtel, Farbe und Pinsel gestaltet. Zum Beispiel wurde das massiv erscheinende Dachgesims damals zur konstruktiven Vereinfachung vollständig in Holz ausgeführt und im selben Farbton wie die steinerne Fassade gestrichen. An dieser historischen gestalterischen Besonderheit orientierte man sich nun auch bei der Ausgestaltung der holzverkleideten Fassade des neuen Anbaus. Mit der Herausforderung, den Stil des ursprünglichen Hauptgebäudes bestmöglich zu rekonstruieren, traten die Architekten von Herzog & de Meuron an die Holzbauingenieure von der Pirmin Jung Schweiz AG heran. Gemeinsam entschied man sich für Accoya-Holz, ein natürliches Holz, das mittels ungiftigem Acetylierungsverfahren Dauerhaftigkeit und Formstabilität erhält. Es wird aus schnell wachsendem Holz hergestellt und verfügt über zahlreiche Nachhaltigkeitszertifikate wie „FSC“ und „Cradle to Cradle“.

Unverwechselbare Erscheinung

Der Projektleiter bei Pirmin Jung meint dazu: „Accoya-Holz wurde aufgrund der konstruktiven Herausforderung, der formalen Ansprüche der Architektur, der geplanten Details und der geforderten Dauerhaftigkeit gewählt. Seine Formbeständigkeit und Haltbarkeit waren entscheidend. Die Art und Weise, wie Accoya mit Beschichtungen arbeitet und gleichzeitig die unverwechselbare Erscheinung der echten Holzmaserung beibehält, waren spannende Aspekte für dieses einzigartige Projekt.“ Seine hohe Maßhaltigkeit bedeutet, dass sich das Holz kaum bewegt oder aufquillt, auch bei sehr feuchtem Klima. Da sich so keine Spannung an der Oberfläche bildet, halten Beschichtungen nachweislich deutlich länger und brauchen weniger Wartung, als dies bei anderen Holzarten der Fall ist.

Hervorhebung der Holzstruktur

18 verschiedene Profile aus Accoya-Holz wurden vom Vertreiber, der Holzpur AG, bereitgestellt und dann vom Holzbauer PM Mangold verbaut. Die Holzverschalung sollte eine Kopie der historischen Fassade darstellen. Deshalb war der konstruktive Holzschutz eine große Herausforderung. Die Architekten ließen schon frühzeitig eine Testwand erstellen, an der zwei Jahre lang die Details und die Farbbehandlung beobachtet werden konnten. Der Test gelang mit der mineralischen, nicht filmbildenden Holzfarbe Lignosil-Color von Keim. Die Holzfarbe wurde industriell dreimal aufgetragen. Vor der Behandlung war das Holz intensiv gebürstet worden.

 

So konnte die Tiefenwirkung der Holzstruktur zusätzlich hervorgehoben werden. Das Projekt stellte auch das beteiligte Holzbau-Unternehmen aus Ormalingen vor große Herausforderungen. 8000 Einzelteile in 18 verschiedenen Schalungstypen produzierte das Unternehmen. Jedes auf Maß genau zugeschnitten mit der CNC-Maschine, der Tischkreissäge und der Kehlmaschine sowie von Hand. „Die ganze Palette des Zimmererhandwerks kam zum Einsatz“, so Christoph Schneider, Bauführer Holzbau der PM Mangold Holzbau AG. Die Aufgabe war sehr aufwendig, denn die Verkleidung erlaubte keine Bautoleranzen. Die Zimmererleute mussten vor Ort Maß nehmen, zurück im Werk das Brett zeichnen, Daten generieren, zuschneiden, mit Farbe allseitig vierfach (dreimal im Werk und einmal auf der Baustelle) beschichten und letztlich wieder in Basel montieren.

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