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Holzfassaden sind ein immerwährendes Thema bei der Holzbau-Fachberatung. Dabei geht es um Holzarten, modifizierte Hölzer und Holzwerkstoffplatten, um Einschnittarten und Güteklassen, Profilwahl und Befestigungstechnik, Eck- und Sockelausbildung, Anschlüsse bei Fenster und Türen, Holzschutz und Hinterlüftung, Wahl der Beschichtungssysteme versus Vergrauung, mit oder ohne Vorvergrauungssystem, und dann noch um die vielfältigen Möglichkeiten der Ausbildung einer Lamellenfassade bzw. Rhombusschalung, nicht zu vergessen die Fragen zum Brandschutz (B1, B2) sowie zu Brandschutzkonzepten. Dann gibt es auch hin und wieder Anfragen, wo Neuland betreten wird.

 

Opferbrett im Übergang zwischen Wasser und Luft

Vor einigen Jahren fragte das schwedische Architekturbüro Wingårdh Arkitektkontor A: „Wir wollen für ein ovales Gebäude eine Holzfassade bauen, die konisch aus dem Wasser aufsteigt, und deren Oberfläche tief schwarz verkohlt sein soll. Wie geht das?“ Der erste Teil der Anfrage umgehend beantwortet werden: Holz hat mit Luft und mit Wasser keine Probleme haben – schließlich ruht nicht nur Venedig auf Holzpfählen, sondern auch beim Berliner Reichstag sind zur Gründung Pfähle aus Kiefernhölzern verwendet worden. Beim Wasser-Luft-Übergangsbereich sollten jedoch bestimmte Vorkehrungen zum Holzschutz getroffen werden. Für den unteren Fassadenbereich gilt das Prinzip „Opferbrett“. 

Beflammungsverfahren für Holz

Aber was ist zu einer kontrolliert beflammten Holzfassade zu sagen? Wer fertigt so etwas an? Das bedeutet: entweder Recherche (mit ungewissem Ausgang) oder Neuentwicklung. In Verfolgung der letzteren Variante hat die regionale Fachberatung Kontakt zur Fachhochschule Eberswalde (Fachbereich Holztechnik) hergestellt. Dort wurde mit der Innovationswerkstatt Holz ein passgenauer Partner gefunden, der ein rationelles Beflammungsverfahren entwickelt hat. Das Müritzeum in Waren/Müritz ist zu einem regionalen Highlight für Architektur und Holzbau geworden. Es veranschaulicht die Möglichkeiten des experimentellen Holzbaus und das Innovationspotential, das dem Material Holz nach wie vor inne wohnt. Eine Einzelblatt-Dokumentation des Informationsdienst Holz erläutert das technischen Verkohlungsverfahren näher. Aktuell findet eine Weiterentwicklung des Verfahrens im Bereich der Oberflächenfixierung statt.

Neubau erinnert an Holzstapel

Vor kurzem wandte sich das Rostocker Planungsbüro matrix Architektur an die regionale Fachberatung: Es wollte eine profilierte Fassade für den Neubau der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. bauen, die an einen Stapel von Brettern und Bohlen (Holzpolter) erinnern soll. Man wollte deshalb für die Fassade unregelmäßige aber vergleichsweise doch gewaltige Holzprofile einsetzen, um so eine balkenartige Fassadenanmutung zu erzeugen. Obwohl die Fassadenkanthölzer auf Lücke gesetzt sind, ist der konstruktive Holzschutz hier nicht ganz unproblematisch: Es gibt vor- und zurückspringende Holzlagen. Abschrägungen wollten die Planer aus gestalterischen Gründen nicht vorsehen. Ein einfacher Wasserablauf ist nur bedingt vorhanden. Es gibt horizontale Flächen z.T. mit leichten Schüsselungen oder Rissen, wo Wasser eindringen kann. Da als nichttragendes Bauteil konzipiert, ist es durchaus legitim, eine solche Fassade zu bauen – im Wissen, dass die Hölzer nicht ewig halten werden und immer unter der Voraussetzung, dass man für eine einfache Revision einzelner Fassadenhölzer technische Vorkehrungen trifft, indem man dauerhaftere Hölzer verbaut und den Bauherrn über diese Umstände aufklärt.

Eichen-Recyclingholz kommt gut an

Nach Diskussionen über die Holzart hat man sich auf Eichenholz verständigt, dessen Kernholz über die Dauerhaftigkeitsklasse 2 (dauerhaft) verfügt. Da bei den gewünschten Dimensionen die Beschaffung von trockenem Eichenholz nicht ganz einfach gewesen wäre und zudem noch die Problematik mit der austretenden Gerbsäure – sie wirkt korrosiv – zu lösen war, schlug der zuständige regionale Fachberater Eichen-Altholz bzw. Eichen-Recyclingholz aus rückgebauten Häusern vor. Diese Idee kam den Architekten auch aus ästhetischen Gründen sehr entgegen. Durch die abermalige Einbindung der „Innovationswerkstatt Holz“ der FH Eberswalde konnten schließlich weitere technologischen und konstruktiven Details geklärt sowie ein Fassadenmodell incl. Eckanschluss im Maßstab 1:1 gebaut werden. Am 10. Mai 2011 fand die Einweihung statt. Das Gebäude ist in einer FNR-eigenen Broschüre umfangreich dargestellt. Es bleibt zu hoffen, dass die Holzwirtschaft auch das erforderliche Kleingeld aufbringt, um eine Einzelblatt-Dokumentation in der Reihe des Informationsdienstes Holz herausgeben zu können und um die regionale Fachberatung Holz zu erhalten.

Dipl.-Ing. Edgar Haas, Regionale Fachberatung Ost, Berlin