Werbung
Werbung
Mann auf Holzdach

Jede Jurte steht auf sieben naturbelassenen Lärchenholzsäulen, diese sind mit eingeschlitzten HEB 180-Trägern in Köcherfundamenten eingespannt (Foto: Greinwald)

Der Tierpark Hellabrunn in München benötigte dringend zwei überdachte Futterplätze für das Gehege der Yaks. Radim Rozehnal von der Bauverwaltung des Zoos hatte die Idee, diese passend zum natürlichen Lebensraum der Yaks als mongolische Jurten auszubilden.

Original mongolische Jurten haben am Dachspitz einen Holzring, der auf zwei Säulen aufliegt, je nach Jurtendurchmesser 30-50 Dachstangen aus Vierkanthölzern ~6/6cm, Außenwände aus einem hölzernen Scherengitter und am Traufanschluss ein Spannseil, das verhindert, dass die Dachkonstruktion die Wand nach außen drückt. Der Witterungsschutz besteht aus mehreren Lagen Filzstoff.

Eine komplette Jurte lässt sich auf zwei Kamelen transportieren und von vier Personen innerhalb weniger Stunden aufbauen. „Wir haben zwar schon einige nicht alltägliche Konstruktionen für den Tierpark Hellabrunn erstellen dürfen, mongolische Jurten gehören aber auch für uns nicht zum Tagesgeschäft“, so Florian Greinwald von der Zimmerei Greinwald GmbH. „Da war zuerst einige Zeit für die Recherche und Vorüberlegungen zu Konstruktion und Statik nötig, bevor wir ein Angebot erstellen konnten.“

Die mongolischen Jurten sind passend zum natürlichen Lebensraum der Yaks (Foto: Tierpark Hellabrunn)

Freie Sicht auf die Tiere

Das Problem bei der Konstruktion für den Tierpark war, dass die Futterplätze wegen der Größe der Yaks im Inneren stützenlos ausgebildet, dabei aber immer noch ein ähnlich filigranes Tragwerk haben sollten wie die Originale. Außerdem war keine geschlossene Außenwand gewünscht, da die Besucher freie Sicht auf die Tiere haben sollen.

An den Futterplätzen wird dies durch zwei Brettschichtholzringe und 32 Dachstangen aus 57/95mm Steico LVL -Furnierschichtholz erreicht. Jede Jurte steht auf 7 naturbelassenen Lärchenholzsäulen, diese sind mit eingeschlitzten HEB180-Trägern in Köcherfundamenten eingespannt -dabei sind neben den Lastfällen „Schnee“ und „Wind“ auch „bis zu 700kg schwere Yaks mit Juckreiz“ als Horizontallast anzusetzen.

Die Lasten aus Schnee- und Winddruck werden an den Knotenpunkten mittels Kontaktpressung und Verschraubung übertragen. Zur Erhöhung der aufnehmbaren Lasten wurden Knapp T-Joint 20- Verbinder eingebohrt, um die wechselnden Belastungen bei Wind dauerhaft sicher aufnehmen zu können, wurden als Schrauben Spax T-Star plus WIROX Vollgewindeschrauben verwendet.

Jurtendach von unten

Der Witterungsschutz wird durch zwei maßgefertigte Planen aus PVC sichergestellt (Foto: Greinwald)

Witterungsschutz durch Planen

Windsogkräfte werden wie bei den originalen Jurten mittels diagonal über der Zeltplane aufgelegte und vorgespannte Polypropylenseile abgeleitet. Der Witterungsschutz wird durch zwei maßgefertigte Planen aus PVC sichergestellt. Die Hauptplane geht vom oberen BSH-Ring bis zur Unterkante des unteren BSH-Rings und ist in der Form eines Kegelstumps mit Schürze ausgebildet.

Die obere Plane für den Dachspitz kann an den Seilen, an denen sie befestigt ist, heruntergezogen werden, falls Luftzirkulation im Dach gewünscht ist. Bei den Vorbildern wäre dies der Rauchabzug für das Kochfeuer. Um Kondensatschäden an der Holzkonstruktion zu vermeiden, ist zwischen PVC-Plane und den Dachstangen ein EPDM-Band eingelegt. Am äußeren BSH-Ring wird durch Abstandslatten die Abtropfkante der Plane unter die Unterkante des Rings gezogen, gleichzeitig wird das BSH vor Kondensat geschützt.

Detailaufnahme Jurte

Um die Plane an der Kante Dachfläche/Wandschürze zu schützen, ist außen um die Holzkonstruktion herum ein Seil gespannt (Foto: Greinwald)

Vorfertigung in der Werkstatt

Um die Plane an der Kante Dachfläche/Wandschürze zu schützen, ist außen um die Holzkonstruktion herum ein Seil gespannt. Befestigt wird diese Plane mit schwarzen Tellerkopfschrauben und Zier-Beilagscheiben. Die gesamte Holzkonstruktion wurde in der Werkstatt vorgefertigt und an einem Tag aufgestellt, für die Planenmontage musste auf etwas wärmeres Wetter gewartet werden, da PVC-Planen bei sehr kalter Witterung etwas schrumpfen und die Hauptdachplane dann nicht mehr über genug Spiel verfügt, um über den Außenring aufgezogen zu werden.

Nach dem Ausbetonieren der Köcheraussparungen waren die Jurten fertig zur Übergabe. Nicht nur die Tierparkleitung, auch die Yaks waren von den Konstruktionen begeistert und legten die übliche Scheu ab, um die Futterplätze neugierig zu Inspizieren.

Verwandte Beiträge