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Johannes Schmitz und Raban Meurer beim Grußwort

Mit den Grußworten von Johannes Schmitz, Vorsitzender des Zimmerer- und Holzbau-Verbandes Nordrhein (l.) und Raban Meurer, Vorsitzender des Dachdecker-Verbandes Nordrhein, begann der gemeinsame Verbandstag in Kamp-Lintfort (Fotos: mikado)

Die Herausforderungen der Digitalisierung muss das Handwerk annehmen und meistern. Dies wurde beim 15. Gemeinsamen Landesverbandstag des Zimmerer- und Holzbauverbandes Nordrhein sowie des Dachdeckerverbandes Nordrhein am 6. September 2019 in Kamp-Lintfort deutlich.

Keine Frage – in den vergangenen Jahren ging es der Baubranche und somit vielen Handwerksunternehmen sehr gut. Auch für die Zukunft rechnen Experten mit einer positiven Entwicklung. Doch am Horizont ziehen Wolken auf – die Stichworte  „Kapazitätsauslastung“ und „Fachkräftemangel“ machen die Runde. Schon bei seinem Grußwort bei der Eröffnung des 15. Gemeinsamen Landesverbandtages der Zimmerer und Dachdecker Nordrhein betonte ZVDH-Vizepräsident Andre Büschkes vor nahezu 200 Zuhörern, wie wichtig es sei, die Nachwuchsgewinnung im Handwerk im Auge zu behalten. Deshalb werde nun zielgruppengerecht verstärkt im Social Media-Bereich (z.B. Facebook und Instagram) für eine Ausbildung im Handwerk geworben. Auch die Arbeitssicherheit sei ein Faktor, der für die Jugendlichen und ihre Eltern bei der Berufswahl wichtig sei.

Zukunft liegt in der Digitalisierung

Peter Aicher, Vorsitzender Holzbau Deutschland, blickte lobend zurück auf die Berufsweltmeisterschaft WorldSkills und den großen Erfolg des neuen Zimmerer-Weltmeisters Alexander Bruns. Im Blick nach vorn vertraue er auf die Kernkompetenzen des Zimmerer-Gewerks. „Unsere Stärke liegt heute beim energieeffizienten Bauen“, betonte er. „Vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimaschutz und Wohnraumversorgung bieten sich dem Holzbau große Chancen. Klima- und ressourcenschonender als mit Holz lässt sich kaum bauen.“ Ein großes Potenzial sieht Aicher in der innerstädtischen Verdichtung, z.B. bei Aufstockungen. Holzbau Deutschland werde sich weiterhin intensiv der Forschung widmen und den Wissenstransfer an die wichtigen Zielgruppen sicherstellen. „Die Zukunft des Handwerks wird in der Digitalisierung liegen. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels werden wir Zimmerer unseren Fokus noch mehr auf den Bereich der Arbeitsvorbereitung, Vorfertigung und Logistik richten“, betonte Aicher.

Peter Aicher mit Mikrofon

Peter Aicher, Vorsitzender von Holzbau Deutschland, betonte in seinem Vortrag: „Klima- und ressourcenschonender als mit Holz lässt sich kaum bauen“

Nachverdichtung als Instrument der Stunde

Fehlendes Bauland und steigende Grundstückskosten seien Gründe dafür,  weshalb es immer schwieriger werde, rentablen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, betonte Johannes Schmitz, Vorsitzender des Holzbau-Verbandes Nordrhein. Das wirkungsvollste Instrument der Stunde sei die Möglichkeit der Nachverdichtung. Es bestehe schätzungsweise ein Potenzial an bis zu 2,7 Millionen Wohnungen, die so in Deutschland entstehen könnten. „Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass die novellierte und seit dem 1. Januar geltende Bauordnung Nordrhein-Westfalens Erleichterungen bezüglich des Holzbaus enthält. Es müssen auch existierende Fördermöglichkeiten auf den Prüfstand gestellt werden, damit die Nachverdichtung an Fahrt aufnehmen kann. Hierfür werden wir uns im Kuratorium Allianz für mehr Wohnungsbau einsetzen“, kündigte Schmitz an.

Handwerk als Vorbild für die Wertekultur

Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke , Hauptgeschäftsführer Handwerk NRW, beantwortete in seinem Vortrag die Frage „Wie kann das Handwerk seine Interessen gegenüber der Politik vertreten?“. Seiner Meinung nach sollten die 150 Gewerke in Deutschland Selbstbewusstsein zeigen und mehr Freiheiten und weniger Bürokratie fordern. „Das Handwerk ist ein Vorbild für die Wertekultur – wir müssen die Wertethemen und den Freiheitsgedanken nach außen tragen“, riet Hennecke. Ohne das Handwerk – dies müsse allen klar sein – ginge es in Deutschland weder im Wohnungsneubau noch beim Thema Energieeffizienz voran. Hennecke forderte: „Wir müssen uns als Problemlöser darstellen und der Politik klarmachen, dass wir ein verlässlicher Partner sind.“

Zahlen und Entertainment

Diplom-Ökonom Felix Fink, Bereichsleiter Wirtschaft und Unternehmensführung im ZVDH, behandelte in seinem Vortrag die „Kalkulation im Delta zwischen Konjunktur und Kundenwunsch“ und belegte mit seinem mitgebrachten Zahlenwerk und vielen interessanten Grafiken, dass sich der Boom im deutschen Bauhauptgewerbe fortsetzt. Derzeit herrsche im Bauhauptgewerbe quasi Vollbeschäftigung. Die „Nachträgliche Dämmung eines Steildachs“ war das Thema des profunden Vortrags von Kai Köhler, ö.b.u.v. Sachverständiger für das Dachdecker- und Zimmererhandwerk. Weniger spezifische Fachthemen, dafür jede Menge Entertainment bot der vergnügliche Vortrag von Dr. Leon Winscheid „Zurück im Hirn – warum die Zukunft der Arbeit in der Vergangenheit liegt“. Er zeigte auf amüsante Art und Weise typische menschliche Verhaltensweisen sowie Schwächen auf und hatte die Lacher auf seiner Seite. Mit der Mitgliederversammlung tags darauf, in der unter anderem die Jahresrechnung 2018 und der Haushaltsplan 2020 einstimmig genehmigt wurden, ging ein gelungener Verbandstag Nordrhein in entspannter Atmosphäre zu Ende.

(dm)

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