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(v.l.n.r.) Michael Merk (Ingenieurbüro Fire & Timber .Ing GmbH), Annette Hafner (Ruhr-Universität Bochum), Markus Bernhard (IngPunkt Ingenieurgesellschaft für das Bauwesen), Ulrike Klar (Leiterin Stadtsanierung und Wohnungsbau im Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Landeshauptstadt München), Josef Huber (Huber & Sohn GmbH), Stefan Mayerhofer (dressler mayerhofer rössler architekten und stadtplaner), Wolfgang Huss (Hochschule Augsburg) und Konrad Merz (merz kley partner) (Foto: mikado)

 

Volker Zimmermann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben: „Die Bäume können in Form von Holzbauten doch in den Himmel wachsen.“ (Foto: mikado)

Unter dem schlichten Titel „Holzbau 19“ feierte die Hochschule Augsburg am 22. Februar 2019 eine wirklich gelungene Premiere. Zur ersten Holzbautagung des an der Hochschule ansässigen Instituts für Bau und Immobilie kamen rund 140 Gäste, die sich über ein interessantes und spannendes Vortragsprogramm freuen durften.

Wolfgang Huß, Hochschule Augsburg: „Der Prinz-Eugen-Park ist ein Meilenstein für den Holzbau in Bayern.“ (Foto: mikado)

Volker Zimmermann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Schwaben, begrüßte die Architekten, Studenten, Planer und Ausführenden in den Räumlichkeiten der Handwerkskammer. Das Handwerk habe es verstanden, Tradition und Moderne sinnvoll miteinander zu kombinieren und ganz neue Möglichkeiten zu schaffen, so Zimmermann. Und so könnten Bäume also doch in den Himmel wachsen, in Form von Holzbauten.

Eines der größten Holzbauprojekte Deutschlands entsteht derzeit auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne in München. Insgesamt 30 Hektar umfasst das Gelände, 570 der 1800 neuen Wohnung werden in Holzbauweise erstellt. Um diese ökologische Mustersiedlung, die laut Wolfgang Huß von der Hochschule Augsburg ein Meilenstein für den Holzbau in Bayern ist, drehte sich dann auch die Holzbautagung. Sieben Referenten widmeten sich unterschiedlichsten Perspektiven des Projekts und zeigten beispielhafte Lösungen auf, die auch für künftige Holzbauvorhaben durchaus interessant sein können.

Annette Hafner von der Ruhr-Universität Bochum erläuterte, wie nachwachsende Rohstoffe im Rahmen der Ausschreibung bilanziert und gefördert wurden (Foto: mikado)

Nachwachsende Rohstoffe als Ausschreibungsvorgabe

Eine Besonderheit der ökologischen Mustersiedlung ist die holzbaufreundliche, ja sogar holzbaufordernde Ausschreibung. Je nach Gebäudegröße mussten die Bewerber eine bestimmte Menge nachwachsender Rohstoffe, in Kilogramm gemessen, pro Quadratmeter Wohnfläche nachweisen. Wie nachwachsende Rohstoffe bilanziert und gefördert werden können, erläuterte Annette Hafner von der Ruhr-Universität Bochum. Im Fall des Prinz-Eugen-Parks wurden die Projekte in kleine (bis Gebäudeklasse 3) und große Gebäude (Gebäudeklasse 4 und 5) eingeteilt. Für beide Gebäudegruppen standen den Bewerbern jeweils drei Stufen zur Auswahl, die mit Mindestanforderungen hinterlegt waren. Je nach Gebäudegruppe und Stufe legte die Ausschreibung fest, welche Bestandteile aus Holz bestehen müssen. Letztlich zeigte sich, dass nahezu alle Bewerber die vorgeschriebenen Kennzahlen sogar überschritten hatten.

Josef Huber, Geschäftsführer der Huber & Sohn GmbH, betonte die großen Vorteile, die der moderne Holzbau aufgrund des hohen Vorfertigungsgrads im Werk mit sich bringt (Foto: mikado)

Michael Merk, Inhaber des Ingenieurbüros Fire & Timber .Ing GmbH in München erarbeitete brandschutztechnisch planungssichere Grundlagen und vorformulierte Abweichungsanträge für die Holzbauprojekte im Prinz-Eugen-Park (Foto: mikado)

Stefan Mayerhofer, Geschäftsführer von dressler mayerhofer rössler architekten und stadtplaner, stellte ein Projekt aus 24 Atriumhäusern und 2 Punkthäusern vor (Foto: mikado)

Drei Unternehmen, die an Projekten auf dem Areal der ökologischen Mustersiedlung beteiligt sind, präsentierten im Rahmen der Tagung ihre Projekte. Stefan Mayerhofer, Geschäftsführer von dressler mayerhofer rössler architekten und stadtplaner, stellte ein Projekt aus 24 Atriumhäusern und 2 Punkthäusern vor. Er erläuterte, wie sein Büro die Bilanzierung der nachwachsenden Rohstoffe in die Entwurfsplanung eingebunden hatte und wie eine solche Planung mit einer Bauherrengemeinschaft mit 39 Wohneinheiten gelingen kann. Michael Merk, Inhaber des Ingenieurbüros Fire & Timber .Ing GmbH in München, sprach über die brandschutztechnischen Herausforderungen, die sich auch durch die relativ beengte Bebauung ergaben. In einem Teilforschungsprojekt der TU München erarbeitete er brandschutztechnisch planungssichere Grundlagen und vorformulierte Abweichungsanträge für die Holzbauprojekte im Prinz-Eugen-Park.  Zwei Fünf- und einen Siebengeschosser realisiert die  Huber & Sohn GmbH auf dem Gelände. Geschäftsführer Josef Huber betonte die großen Vorteile, die der moderne Holzbau aufgrund des hohen Vorfertigungsgrads im Werk mit sich bringt. Eine wesentlich höhere Bauqualität und die Fähigkeit, mit wenig Platz vor Ort auszukommen, waren nur zwei davon.

Konrad Merz, Geschäftsführer von merz kley partner: „Bauen Sie Zehnkämpfer!“ (Foto: mikado)

„Bauen Sie Zehnkämpfer!“

Den Abschluss der Holzbautagung machte Konrad Merz, Geschäftsführer von merz kley partner aus Dornbirn. Sein Appell an die Tagungsteilnehmer lautet: „Bauen Sie Zehnkämpfer“. Der Holzbau sei in den Materialkosten einfach immer teurer als Beton. Dieser Mehrpreis muss seiner Meinung nach durch eine umfangreiche Funktionalität wettgemacht werden. Eine Holzdecke muss demnach mehr können, als nur zu tragen. Verfügt sie beispielsweise auch über eine akustische Wirkung, ist sie der Betondecke trotz höherem Preis wieder überlegen. Abschließend plädierte Konrad Merz für einen sinnvollen, funktionsbezogenen Einsatz von Baumaterialien und den Hybridbau.

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